Zwei Wege zu mehr Stil

„Neu ist immer besser.“ Nach diesem Schema funktioniert das Marketing der Modeindustrie. Anders formuliert: Wer sich nicht alle paar Wochen oder zumindest jede Saison mit den neuesten Trendteilen eindeckt, riskiert als nicht zeitgemäß wahrgenommen zu werden. Das ist ein Problem. Denn wer will schon als Modemuffel gelten? Eben.

An sich ist diese Argumentation logisch. Und doch handelt es sich dabei um ein künstlich geschaffenes Bedürfnis. Denn Mode ist nicht gleich Stil.

Die gute Nachricht: Es gibt nicht den einen Königsweg. Man muss weder zum Minimalist werden noch ausschließlich Fair Fashion kaufen, um sich nachhaltig zu kleiden. Im Gegenteil, es schadet nichts, sich dem Thema langsam zu nähern.

Die erste Schritt zu einem Kleiderschrank voller Lieblingsteile, ist die Bestandsaufnahme. In unseren Breitengraden bieten sich dafür der Frühling und Herbst besonders an. Schließlich ändert sich das Wetter dann am stärksten. Es spricht aber überhaupt nichts dagegen, den Kleiderschrank mehrfach im Jahr durchzugehen. Nur übertreiben sollte man es mit dem Ausmisten nicht. Diese Übung ist keine Ausrede, um neue Kleidung zu kaufen.

Warum also ist das Ausmisten des Kleiderschranks so wichtig? Es hat gleich mehrere Vorteile: Danach weiß man, was man schon hat, und was einem noch fehlt. Man erkennt Fehlkäufe und Volltreffer – und die Muster dahinter. Und kann dann die Lücken gezielt auffüllen.

Wer Schwierigkeiten hat zu entscheiden, ob etwas jetzt auf den Ja/Nein/Vielleicht-Stapel gehört, kann den sogenannten Kleiderbügeltrick anwenden. Erst alles aus dem Kleiderschrank ausräumen, dann wieder rein damit. Nur: der Haken zeigt solange nach vorne, bis ein Kleidungsstück tatsächlich getragen wurde. Schnell wird klar, zu welchen Teilen man immer wieder greift. Was nach einer gewissen Weile nie getragen wurde, kann eigentlich genauso gut weg. Es muss ja nicht gleich in der Altkleidercontainer landen. Neuwertige oder gut erhaltene Ware, kann man mit Apps wie Kleiderkreisel und Vestiaire Collective oder im Secondhand-Laden durchaus noch zu Geld machen. Eine ausführliche Anleitung findet man zum Beispiel bei Anuschka Rees, die zu diesem Thema mit „Das Kleiderschrank-Projekt“ ein Buch geschrieben hat.

Wenn dann im Kleiderschrank nur noch die Teile hängen, die man gerne trägt, kommt der zweite Schritt: die Uniform. Schon mal was von der „5 Piece French Wardrobe“ oder dem Begriff „Kapselkollektion“ gehört? Dahinter steckt der Gedanke, dass eine gut sortierte Basisgarderobe einem schier unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten bietet. Trendteile? Braucht man so nur noch wenige.

Anhänger der „5 Piece French Wardrobe“ schwören auf Klassiker: ein Blazer, eine Seidenbluse und eine Skinny Jeans gehören meist genauso dazu wie unifarbene T-Shirts und Tops. Pinterest liefert hier die größte Inspiration – meist jedoch in schwarz/weiß.

Etwas weiter gefasst ist die Idee einer Kapselkollektion. Das Phänomen wurde im Netz 2010 bekannt durch das „Project 333„. Die Herausforderung der Bloggerin Courtney von „Be More With Less“: Man darf maximal 33 Kleidungsstücke in den nächsten drei Monaten tragen. Zugegeben, das klingt erst mal wenig. Aber es zwingt einen auch, kreativ zu werden. Diese Übung ist ebenfalls keine Ausrede, um neue Kleidung zu kaufen.

Damit eines klar ist: Bei einer Kapselkollektion kommt es nicht auf die genaue Anzahl der Kleidungsstücke oder eine möglichst neutrale Farbpalette an. Man kann sein Experiment auch knallbunt und mit anderen Regeln angehen, wie etwa Elle.com-Autorin Christina Perez zeigt. Aus neun Trendteilen kombinierte sie zehn Outfits. Keines davon ist auch nur ein bisschen langweilig. Alles, was es braucht, sind die richtigen Accessoires.

Es ist etwas Wahres dran am Credo der Modewelt „Neu ist immer besser“. Dass man dafür jede Saison hunderte Euro ausgeben oder Fast Fashion konsumieren muss, ist allerdings ein Irrglaube.

Teil eins der Mode-Serie: Stil statt Fast Fashion

Bild: Pixabay, Creative Commons CC0

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