Nostalgisch und ökologisch: Taschentücher selber machen

„Nimm die Stofftaschentücher, die sind besser für die Nase als die aus Papier“ empfahl mir meine Mama immer, wenn ich als Kind eine rote Nase vom vielen Schneuzen hatte. Sie war überzeugt, dass der Stoff die empfindliche Haut an der Nase besser schützt. Ich merkte nie einen Unterschied. Meine Nase tat immer weh bei Schnupfen und tut es noch immer.

Wir hatten einen ganzen Stapel von Stofftaschentüchern und es gab sogar welche mit extra Kindermotiven drauf.

Besonders wertvoll war ein feines Taschentuch mit Spitzenrand, das ich mal geschenkt bekommen habe und fast nie benutzt habe, weil es mir zu kostbar vorkam. Ich sollte es vielleicht für die nächste Hochzeit suchen, auf der ich eingeladen bin. Denn bei Hochzeiten kann ich fast nie ein paar Tränen der Rührung zurückhalten. Und da passt doch so ein feines Spitzentuch viel besser zu den edlen Kleidern, die man dann trägt, als mit einer Plastikpackung zu rascheln.

Irgendwann sind die Stofftaschentücher aber aus der Mode gekommen.

Wir Deutschen brauchen 18 Kilogramm Hygienepapier pro Jahr. Die Zahlen stammen vom Umwelt Bundesamt und sind schon acht Jahre alt. Gut möglich also, dass sie heute noch höher sind. Zu Hygienepapier zählen Toilettenpapier, Papierhandtücher, Taschentücher, Kosmetiktücher, Servietten, Küchentücher, Putztücher und Abdecktücher aus dem medizinischen Bereich. In einem Zeitraum von zehn Jahren ist die Nachfrage nach Hygienepapieren in Deutschland von einer Million Tonnen auf 1,5 Millionen Tonnen gestiegen. Dieser Papierhunger wird gleichzeitig immer weniger durch Recycling-Papier gestillt.

Ich hätte mich als Teenager in Grund und Boden geschämt, wenn ich in ein Stück Stoff gerotzt und das dann wieder in die Tasche gesteckt hätte.

Aber inzwischen frage ich mich, warum eigentlich. Ein paar Stofftaschentücher hatte ich noch, doch die hätten nicht gereicht, um die ganze Familie zu versorgen. Also musste als erstes ein Nachthemd daran glauben, das ich während meiner Schwangerschaft gekauft habe. Der Baumwollstoff ist weich und hat ein hübsches Muster, sehr taschentuchgeeignet.

Ein Abend an der Nähmaschine und wir hatten einen schönen kleinen Vorrat an Taschentüchern. Zusammen mit den bereits vorhandenen waren es vielleicht 20 Stück.

Allerdings hat schon die erste große Erkältung gezeigt, dass das zu wenige sind. An einem heftigen Schnupfentag war mir auch bisher eine Packung Papiertaschentücher an Tag oft nicht genug. Entsprechend reichte auch der kleine Stoffvorrat nicht.

Um eine ganze Familie zu versorgen, ist also schon eine ordentliche Schublade voll Tücher nötig. Da werden also noch ein paar alte Kleidungsstücke daran glauben müssen. Und ich werde noch ein paar Abende an der Nähmaschine verbringen.

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